VSEPR: Valence Shell Electron Pair Repulsion
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Typische Aufgabe zum VSEPR-Modell
Typische Aufgabe zum VSEPR-Modell: "Geben Sie a)
die Lewis-Formel, b) die Molekülstruktur
und c) die ungefähren Bindungswinkel
der Verbindungen BrF5.....in einer
Skizze an." Umso mehr Verbindungen abgefragt werden, desto besser. Geht
alles nach Schema F.
zu a) Lewis-Formel
Die Lewis-Formel kann man recht einfach aus der Summenformel BrF5
zeichnen:
- An ein Brom-Atom sind fünf Fluor-Atome gebunden. Dass in
diesem Beispiel nur Einfachbindungen in Frage kommen ist klar. Unklar
ist manchmal, wieviele freie Elektronenpaare das Zentralatom hat. Die
freien Elektronenpaare sind für die VSEPR-Strukturbestimmung
wichtig.
- Die Oktettregel gilt nur streng für
die zweite Periode!
- Das Zentralatom hat n Valenzelektronen. n ist die
Gruppennummer, also hier n=7.

Zählt man die Valenzelektronen (jedes bindende Elektronenpaar zur
Hälfte) kommt man auf 5 Elektronen. Um auf 7 Valenzelektronen zu kommen
muss ein freies Eleketronenpaar hinzugefügt werden. ----> n=7.
- Bei Ionen funktioniert es genauso, man berücksichtigt
allerdings meistens am Zentralatom die Gesamtladung: Beispiel IF6
-(einfach
negativ geladen, das Minus in der Grafik ist leider
nicht richtig zu erkennen!)

Wäre das Molekül neutral, wären am Zentralatom wie beim
Brompentafluorid sieben Valenzelektronen. Hier sind es 8. 8 -
Gruppennummer (7) = 1. -> Eine Ladung übrig. Die Liganden haben
meistens ein Oktett. Beim VSEPR-Modell geht es geht nur um die freien
Elektronenpaare des Zentralatoms.
- Vorsicht Falle:
Radikale haben einzelne Elektronen,
die nicht als Elektronenpaar vorkommen. Solche Verbindungen sollte man
kennen. Typische Beispiele:

Dem nächsten Abschnitt vorweggenommen: Molekülgeometrie von
NO: linear, bzw. pseudo-trigonal planar.
zu b) Molekülgeometrie nach VSEPR
Übersicht zur Anordnung von Liganden und freien
Elektronenpaaren
Folgende Möglichkeiten die Liganden und freien
Elektronenpaare um das Zentralatom anzuordnen gibt es. Diese muss man
auswendig kennen.
Quelle der Abbildung: Riedel .
zur besseren Lesbarkeit der Beschriftungen:
| Typ |
AB2
|
AB3
|
AB4
|
AB5 |
AB5
|
AB6
|
AB7 |
| Bezeichnung |
linear |
gleichseitiges
Dreieck |
Tetraeder |
trigonale Bipyramide
|
quadratische
Pyramide |
Oktaeder |
pentagonale Bipyramide |
Ligand / Zentralatom / Ligand
-Winkel |
180° |
60° |
109,5° |
in äquatorialer Ebene: 120°
zur Pyramidenspitze: 90° |
85° |
90° |
in äquatorialer Ebene: 72°
zur Pyramidenspitze: 90° |
Im Folgenden ein paar Anmerkungen zu den einzelnen
Bindungstypen:
Lineare Anordnung AB und AB2
- Alle zweiatomigen Moleküle und Ionen AB sind linear,
was auch sonst.
- Zwei Liganden an einem Zentralatom haben bei 180°
Bindungswinkel den größtmöglichen Abstand voneinander. Beispiel: BeCl2,
CO2
Trigonal-planare Anordnung AB3
- Beim Bortrifluorid wird der Abstand zwischen drei
Bindungspartnern mit jeweils 120° erreicht. Bortrifluorid erfüllt die Oktettregel.
- Der Stickstoff in Nitrit hat ein freies
Elektronenpaar, sonst käme er nicht auf fünf Valenzelektronen. Die
negative Ladung ist an einem der Sauerstoffatome (eines hat 6, das
andere 7 freie Elektronenpaare). Welches ist egal. Man kann mesomere
Grenzstrukturen angeben:
- Bei Nitrit wird manchmal auch von einem gewinkelten
Ion gesprochen, da man freie Elektronenpaare i.d.R. nicht beobachten
kann. Vgl. Pseudostruktur.
|

|
Tetraeder AB4
- Ammoniak (NH3): Molekülstruktur:
trigonal-planar.
|
|
Trigonale Bipyramide AB5
- Für Atome ab einschließlich der dritten Periode sind mehr als vier Elektronenpaare
auf der Außenschale möglich. So auch beim Schwefel. Die Oktettregel
gilt nur für die 2. Periode streng.
- Beim Schwefel(IV)-fluorid sind nicht alle Bindungswinkel gleich:
-
- die äquatorialen Bindungen liegen in einer Ebene
und haben 120° Bindungswinkel zueinander.
- die beiden axialen Bindungen ragen nach oben und
unten aus der Ebene heraus und stehen im rechten Winkel dazu.
- für das freie Elektronenpaar gibt es jetzt zwei
Anordnungsmöglichkeiten: axial (a) oder äquatorial (b)?
-
-
- drei bindende Elektronenpaare im 90°
Winkel entfernt.
- ein bindendes Elektronenpaar im 180° Winkel
entfernt.
- äquatorial (b):
-
- drei bindende Elektronenpaare im 120° Winkel
entfernt
- zwei bindende Elektronenpaare im 90° Winkel
entfernt
Wenn man jetzt nur zur Veranschaulichung die Winkel addiert, kommt man
bei a) auf 450°, bei b) auf 540°. Bei b) sind die Abstände also
insgesamt größer. b) entspricht der tatsächlichen Struktur. In trigonal bipyramidalen Strukturen
bevorzugen freie Elektronenpaare äquatoriale Positionen! Valenzwinkel
in der äquatorialen Ebene betragen 120°, Winkel zu den Pyramidenspitzen
nur 90°!
Hinweis: Die Anordnung quadratische
Pyramide
kommt in den üblichen Klausuraufgabe nicht vor. Wenn AB5,
dann die trigonale Bipyramide. Beispiele für die Anordnung
"quadratisch-pyramidal": SbPh5, InCl52-,
Mg(OPMe3)52+. Die
Spitzenposition "apical" in der quadratischen Pyramide ist nicht mit
den vier Positionen an den Basisecken äquivalent.
|
|
Oktaeder AB6
- Hier sind im Gegensatz zur trigonalen Bipyramide
wieder alle Bindungswinkel gleich groß, nämlich 90°.
- Ein Elektronenpaar kann eine beliebige Position
einnehmen, die Atome sind dann quadratisch-pyramidal angeordnet.
- Sind zwei Elektronenpaare vorhanden, ordnen sie sich
in trans-Position, also gegenüber, an. Die übrigen Atome sind
quadratisch-planar angeordnet.
|
 |
Pentagonal-bipyramidal AB7
Die anderen unten
genannten Vertreter sind in Klausuren unüblich. Riedel erwähnt sie
nicht. Wenn überhaupt, dann vielleicht das Xenonhexafluorid.
mehrere Möglichkeiten für AB7
- Für AB7 gibt es drei Möglichkeiten:
- Iodheptafluorid (IF7): pentagonal-bipyramidal
- Xenonhexafluorid (XeF6): einfach überkappte
oktaedrische Struktur
aus der englischen Wikipedia:
According
to Konrad Seppelt, the Associate Professor of Chemistry at the
University of Heidelberg, "the structure is best described in terms of
a mobile electron pair that moves over the faces and edges of the
octahedron and thus distorts it in a dynamic manner."
- Heptafluoro-niobat(V)-Anion (NbF7 2-): einfach
überkapptes
trigonales Prisma
Einfach überkappt heißt, dass sich ein weiteres Atom über einer der
Polyederflächen befindet.
|
 |
Pseudostruktur?
Die Pseudostruktur einer Verbindung ergibt sich direkt aus
der Lewisformel. Als Pseudostruktur wird die Struktur bezeichnet, die
man unter Berücksichtigung der freien Elektronenpaare des Zentralatoms
erhält (sogenannte "Pseudosubstituenten"). Beispiel: Brom in
Brompentafluorid hat fünf Fluor-Liganden und
einfreies Elektronenpaar. Die Verbindung gehört zum AB5E-Typ, hat also
mit dem freien Elektronenpaar sechs Liganden und ist
deshalb pseudo-oktaedrisch ("pseudo AB6").
Anordnung von freien Elektronenpaaren zusammengefasst
- In der trigonalen Bipyramide sind
die Valenzwinkelin der äquatorialen Ebene 120° und Winkel zur
Pyramidenspitze 90°. Äquatoriale Positionen deshalb bevorzugt.
- In oktaedrischen Strukturen AB4E2 besetzen die beiden
Elektronenpaare trans-Positionen, liegen sich also gegenüber.
zu c) ungefähre Bindungswinkel
Allgemeine Beispiele
Quantitative Vorhersagen und Berechnungen sind mit VSEPR
natürlich nicht möglich. Freie
Elektronenpaare beanspruchen mehr Platz. Die Bindungswinkel können von
den idealen Bindungswinkelnabweichen: Beispiele:
| ideal |
NH3
|
H2O
|
| 109,5° |
H/N/H 107°
|
H/O/H 104,5° |
Schwefel(IV)-fluorid

Grenzen des VSEPR-Modells und Kritik am VSEPR-Modell
- Das
Modell ist nur für Hauptgruppenelemente "geeignet".
- Für
Radikale,
Dreielektronenbindungen und Verbindungen vom AX 6E-Typ liefert
es falsche Vorhersagen! Beispiel: BrF6-,
SeX62- und TeX62-
mit X = Cl, Br, I sollten verzerrt oktaedrische Struktur haben, bilden
aber tatsächlich reguläre Oktaeder. Das nichtbindende Elektronenpaar
ist ohne Einfluss!
- Die weit verbreitete Behandlung im
Chemieunterricht wird kritisiert.
- Das VSEPR-Modell setzt Äquivalenz der
Elektronenpaare voraus.
- Das
Modell beschreibt nicht die wirkliche Elektronendichteverteilung. In
Mehrzentrenbindungen kann ein Elektronenpaar auch für Bindungen zu zwei
Substituenten verantwortlich sein. Beispiel: XeF2
und SF6.
- Sauerstoff enthält zwei ungepaarte Elektronen und ist
paramagnetisch.
Typische Klausur-Beispiele (unsortiert)
Eine umfangreiche Tabelle mit typischenVerbindungen und
Strukturen (allerdings ohne Lewis-Formel) befindet sich im Hollemann
Wiberg auf einer Seite (auch gut zum Kopieren)!
Empfehlenswert, auch zum Üben.
| Verbindung |
Valenzstrichformel |
Molekülstruktur |
Pseudostruktur
|
Bemerkung |
| ClF3
|
|
AB3:
T-förmig |
AB3E2:
pseudo-trigonal bipyramidal |
- |
| BF3
|
|
AB3:
trigonal-planar |
AB3:
trigonal-planar |
Hier hat
dasZentralatom keine freien Elektronenpaare, also ist Real- und
Pseudostruktur identisch. |
| PF3
|
|
AB3:
trigonal-planar |
AB3E:
pseudo-tetraedrisch |
- |
| ClO3-
|
|
AB3:
trigonal-pyramidal |
AB3E:
pseudo-tetraedrisch |
- |
| SO3
|
|
AB3:
trigonal-planar |
AB3:
trigonal-planar |
- |
| CO32-
|
|
AB3:
trigonal-planar |
AB3:
trigonal-planar |
- |
| BrF3
|
|
AB3:
T-förmig |
AB3E2:
pseudo-trigonal-bipyramidal |
- |
| IF5
|
|
AB5:
quadratische Pyramide |
AB5E:
pseudo-Oktaeder |
freies
Elektronenpaar axial. BrF5 als Beispiel für AB5E
aus dem Riedel:
|
| PF5
|
|
AB5:
trigonale Bipyramide |
AB5:
trigonale Bipyramide |
- |
| NF3
|
|
AB3:
trigonal Pyramidal |
AB3E:
pseudo-Tetraeder |
- |
| PF6- |
 |
AB6: Oktaeder |
AB6: Oktaeder |
|
| ClO2- |
 |
AB2: linear |
AB2E2:
pseudo-Tetraeder |
|
Quellen: Wikipedia, Riedel, Binnewies
Homepage
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